INSPIRE

Projektname
Durchführung eines integrierten Versorgungsprogramms für ältere Menschen im Kanton Basel-Landschaft

Projektleitung
Mieke Deschodt

INS-Projektteam
Sabina De Geest
Mieke Deschodt
Rachel Jenkins
Gwen Laurent
Olivia Yip
Franziska Zúñiga

Externe Projektpartner
Universitäres Zentrum für Hausarztmedizin beider Basel (Andy Zeller) | Institute of Pharmaceutical Medicine (Matthias Schwenkglenks) | Institute for Clinical Epidemiology and Biostatistics (Matthias Briel) | Swiss Tropical and Public Health Institute (Nicole Probst-Hensch, Manfred Zahorka, Katrina Obas) | Helsana Gruppe (Eva Blozik)

Stakeholders: Amt für Gesundheit Basel-Landschaft | Ärztegesellschaft BL (Carlos Quinto) | CURAVIVA | Spitex-Verband Basel-Landschaft | Verband Basellandschaftlicher Gemeinden (VBLG) | Sozialversicherungsanstalt SVA BL | ASPS Private Spitex Organisationen | Kantonsspital Baselland | Psychiatrie Baselland| Interessengemeinschaft Senioren Baselland| Pro Senecute beider Basel| Alzheimervereinigung Baselland | SRK Baselland| Netzwerk Demenz |Ombudsstelle für Altersfragen und Spitex

Ort der Datenerhebung
– Organisationen der Primärversorgung und ambulanten und stationären Pflege im Kanton Basel Landschaft

Laufzeit
2017 bis 2020

Projektbeschreibung
Hintergrund
In der Schweiz steigt die Lebenserwartung. Somit wird auch der Anteil von älteren Menschen mit Unterstützungsbedarf grösser. Die Unterstützung wird dabei von verschiedenen Anbietern zur Verfügung gestellt. Ältere Menschen brauchen oft eine Kombination von Dienstleistungen, diese sind jedoch weder zentralisiert noch koordiniert, so dass ältere Menschen dem Risiko einer fragmentierten Versorgung ausgesetzt sind. Negative Folgen sind die Mehrfachnutzung von Diensten, Lücken in der Informationsbereitstellung, unpassende oder widersprüchliche Empfehlungen und Medikationsfehler. Dies führt zu Unsicherheit, Stress und Belastung bei älteren Personen und ihren Angehörigen. Dazu kommen höhere Pflegekosten durch unnötige Spitalaufenthalte, das Aufsuchen von Notfallabteilungen und andere unnötige Inanspruchnahme von Dienstleistungen. Solche unerwünschten Prozesse und Auswirkungen können durch Investitionen in integrierte Versorgungsmodelle verhindert werden. INSPIRE geht diesen drängenden Fragen nach und zeigt, wie neue Versorgungsmodelle in der Praxis mit hoher Nachhaltigkeit umgesetzt werden können.

Angesichts der demografischen Entwicklung der Bevölkerung im Kanton Basel-Landschaft (BL) und des bevorstehenden Mangels an Hausärzten und Betreuungspersonen wurde die Organisation der Gesundheitsversorgung für ältere Personen im Kanton überdacht. Am 16. Nov. 2017 wurde im Landrat das neue Altersbetreuungs- und Pflegegesetz (APG) verabschiedet.

Dieses schreibt eine Reorganisation des Kantons BL in Versorgungsregionen vor, was eine Zusammenarbeit auf Gemeindeebene erfordert. In den Versorgungsregionen werden Informations- und Beratungsstellen zu Fragen der Betreuung und Pflege im Alter eingerichtet. Diese stellen den Bewohnerinnen und Bewohnern einer Versorgungsregion Informationen zum Thema Alter(n) und Altersfragen zur Verfügung, und ermöglichen Beratung und Bedarfsabklärung durch eine Pflegefachperson, insbesondere vor dem Eintritt in ein Pflegeheim. Eine zentrale Aufgabe der Versorgungsregionen ist es, ein Versorgungskonzept zu erstellen, um eine angemessene ambulante, intermediäre und stationäre Versorgung sicherzustellen.

Zielsetzung
Das Ziel von INSPIRE besteht darin, ein effizientes und nachhaltiges gemeindebasiertes Versorgungskonzept für ältere Menschen mit neuen Methoden der Public Health- und Implementierungsforschung im Kanton BL zu entwickeln und umzusetzen. 

Das Projekt wird in folgenden Schritten durchgeführt: 

  1. Organisation einer kantonalen Steuergruppe und eines lokalen Stakeholder-Gremiums, die sich aktiv für die Entwicklung und Umsetzung des gemeindebasierten Versorgungsmodelles einsetzen.
  2. Ermittlung bestehender gemeindebasierter Versorgungsprogramme, und Analyse der Wirksamkeit und Nachhaltigkeit (Literaturrecherche, gute Praxisbeispiele in der Schweiz inklusiv lokalen Beispielen im Kanton BL).
  3. Kontextanalyse: Erfassung der aktuellen gemeindebasierten Gesundheitsversorgung im Kanton BL.
  4. Evidenzbasierte Entwicklung eines gemeindebasierten Versorgungsmodells, das dem Gesundheitswesen von BL entspricht und aus der Sicht der Stakeholder passt und umsetzbar ist.
  5. Entwicklung eines Monitoring-Systems, das die Umsetzung und Auswirkungen des gemeindebasierten Programmes auf ältere Menschen, Anbieter und Gesundheitssystem laufend evaluiert.

Als Resultat der oben beschriebenen Arbeitspakete liegt ein auf die lokalen Gegebenheiten von BL angepasstes Versorgungsmodell mit geplantem Monitoring-System vor. Dies wird in einem weiteren Schritt in einer Versorgungsregion von BL umgesetzt und evaluiert.

Design/Methode
INSPIRE ist eine mehrphasige Mixed-Method-Studie, die 1) auf der Basis der neuen Gesetzgebung ein gemeindebasiertes Versorgungsprogramm für ältere Menschen im Kanton BL entwickelt und, wenn von den Gemeinden/Versorgungsregionen gewünscht, umsetzt und 2) den Erfolg der Umsetzung und die Auswirkungen des Programms auf Personen-, Anbieter- und Gesundheitssystemebene mit modernen Methoden der Public Health-Forschung evaluiert.

INSPIRE kombiniert den eher traditionellen Rahmen des Medizinischen Forschungsrats (MRC) für die Entwicklung und Bewertung komplexer Interventionen mit dem innovativen Ansatz der Implementierungswissenschaft. Zusätzlich werden herkömmliche und zukunftsweisende Forschungsmethoden verwendet, wie etwa die von Big Data (z. B. elektronische Patientenakten, Populationskohorten, Patientenkohorten, Krankenversicherungsdaten) und Geodatenmodellierung. Ausserdem wird eine gesundheitsökonomische Evaluation durchgeführt, um die politischen Entscheidungsträger dabei zu unterstützen, fundierte Entscheidungen für zukünftige LZP-Investitionen zu treffen.

Erwarteter Nutzen / Relevanz
INSPIRE leistet einen Beitrag zur Forschung, indem es die Evidenzbasis für Integrierte Versorgungsmodelle durch die Verwendung einer einzigartigen Kombination aus dem MRC und dem CFIR Framework verbessern wird. Dabei konzentriert  sich letztere auf die Implementierungswissenschaft - das neue Forschungsparadigma in der Gesundheitsforschung. Darüber hinaus werden innovative Methoden angewendet, wie z. B. geografische Informationssysteme und die Nutzung von Big Data und Bevölkerungs-Kohorten-Daten. INSPIRE wird massgeblich zur klinischen Praxis und Gesundheitspolitik beitragen, indem es ein effektives gemeindebasiertes Versorgungsmodell entwickelt, welches über das Potenzial verfügt, in grossem Umfang eingesetzt zu werden. Der weitere Ausbau einer gut durchdachten Implementierungsforschung kann somit zu einer (kosten-)günstigeren öffentlichen Gesundheitsversorgung, klinischen Verfahren und Programmen beitragen. Die Forschungsleistung, einschliesslich einer validierten Umfrage zur Darstellung bestehender Interventionen, eines evidenzbasierten theoretischen Modells und des langfristigen Monitoringsystems, wird für den Kanton BL sowie für andere Gesundheitssysteme, die mit ähnlichen Herausforderungen im Hinblick konfrontiert sind, von hohem Wert sein.