ProQuaS

Projektname
Identifizierung und Entwicklung von Schnittstellen zur Förderung der Lebensqualität von Bewohnerinnen und Bewohnern der Senevita

Subprojekt (PhD)
Development and Piloting of a multilevel Intervention to improve Pain Management in Swiss Nursing Homes - PaiNH (Thekla Brunkert)

Projektleitung
Franziska Zúñiga

INS-Projektteam
Thekla Brunkert
Max Giger
Michael Simon
Franziska Zúñiga

Externe Projektpartner
Universitätsspital Basel (Wilhelm Ruppen) | Senevita AG

Ort der Datenerhebung
– Senevita AG

Laufzeit
2015 bis 2018

Projektbeschreibung
Hintergrund

Ein zentrales Anliegen von Alters- und Pflegeinstitutionen ist die Erhaltung und Förderung der Lebensqualität der Bewohnenden. Dazu gehören die Anerkennung ihrer Individualität, Respekt vor den Bedürfnissen und ein würdevoller Umgang mit den Bewohnenden, sowie das Ermöglichen von Autonomie und grösstmöglicher Selbständigkeit. ProQuaS greift zwei Themenbereiche auf, die eng mit der Lebensqualität zusammenhängen: Schmerzen und vermeidbare Hospitalisierungen. Um die 60% der Bewohnenden in Schweizer Alters- und Pflegeinstitutionen haben Schmerzen. Werden Schmerzen längere Zeit nicht oder nicht ausreichend behandelt, kann dies die Lebensqualität stark einschränken. Darüber hinaus können nicht ausreichend behandelte Schmerzen längerfristig zu Einschränkungen in der Mobilität, sowie zum Auftreten von Schlafstörungen, Angstgefühlen oder depressiven Symptomen führen. Bezüglich Hospitalisierungen werden in den USA bis zu 67% der Einweisungen aus Pflegeheimen als unnötig eingeschätzt. Insbesondere für Menschen mit Demenz sind Hospitalisierungen ein zusätzliches Gesundheitsrisiko indem sie zu reduzierter Funktionsfähigkeit in den Aktivitäten des täglichen Lebens, Mortalität, Delirium, Anorexie, Inkontinenz oder Stürze während des Spitalaufenthalts führen können.

Beide Themenbereiche zeigen eine hohe Komplexität, die von verschiedenen Einflussfaktoren geprägt ist: angefangen bei den Strukturen und Prozessen einer Organisation, über Kenntnisse und Fähigkeiten des Personals, zu Symptomen, Anliegen und Vorstellungen von Bewohnenden und Angehörigen. Von grosser Bedeutung sind auch die Schnittstellen zwischen den beteiligten Berufsgruppen (Pflegende, Therapeuten und Ärzte) und Einrichtungen (Pflegeinstitutionen, Hausärzte und Spitäler). So kann z. B. ein strukturierter und zeitnaher Informationsaustausch zwischen Ärzten und Pflegenden unnötige Hospitalisierungen vermeiden.

Zielsetzung
Teil I:
1. Beschreiben der bestehenden Strukturen, Prozesse und Ergebnissen zu den Themen Schmerzbehandlung und vermeidbare Hospitalisierungen sowie der allgemeinen Kontextfaktoren (interprofessionelle Zusammenarbeit, Arbeitsumgebungsfaktoren).

2. Untersuchen von verschiedenen Perspektiven (Bewohnende, betreuende Ärzte und das Pflege- und Betreuungspersonal) in Bezug auf die Wahrnehmung von hindernden und unterstützenden Faktoren im Rahmen der Schmerzbehandlung und bei Hospitalisierungen.

Teil II:
3. Entwickeln und Pilotieren einer vielschichtigen Intervention zur Verbesserung der Schmerzbehandlung basierend auf den Ergebnissen von Teil I.

4. Bestimmen der vorläufigen Wirkung der Intervention auf Ergebnisse des Pflege- und Betreuungspersonals und der Bewohnenden sowie die Bewertung ihrer Umsetzbarkeit und Akzeptanz bei dem Pflege- und Betreuungspersonal.

Design/Methode
Für den ersten Teil des Projekts wurde im Sommer 2016 eine IST-Erhebung in 20 Alters- und Pflegeinstitutionen der Senevita AG durchgeführt. Neben einer schriftlichen Befragung des Pflege- und Betreuungspersonals, der Abteilungs- und Geschäftsleitungen wurden Interviews mit Bewohnenden, betreuenden Ärzten und Fokusgruppen mit Teilen des Pflege- und Betreuungspersonals durchgeführt.

In der schriftlichen Befragung wurden strukturelle Informationen über die einzelnen Einrichtungen, Arbeitsumgebungsfaktoren sowie hindernde und unterstützende Faktoren in der Schmerzbehandlung und in Bezug auf Hospitalisierungen erfasst. Im Rahmen der Interviews wurden die Themen Schmerzbehandlung und vermeidbare Hospitalisierungen vertieft.

Im zweiten Teil des Projekts wird basierend auf den Ergebnissen der IST-Erhebung eine vielschichtige Intervention entwickelt und in einer Teilprobe der Alters- und Pflegeinstitutionen pilotiert. Auf der Organisationsebene umfasst die Intervention die Einführung eines schriftlichen Schmerzbehandlungskonzepts. Auf Ebene des Pflege- und Betreuungspersonals werden zum einen ausführliche Schulungen zur Schmerzbehandlung durchgeführt, zum anderen werden in den Betrieben sogenannte Schmerzexpertinnen in vertiefenden Schulungen ausgebildet, welche den Einführungsprozess des Schmerzkonzeptes unterstützen und nachhaltig zu einer Verbesserung der Schmerzbehandlung beitragen sollen. Die Intervention wird im Rahmen eines schrittweisen Studiendesigns (inkomplettes Stepped- Wedge Design) in den sechs teilnehmenden Alters- und Pflegeinstitutionen eingeführt. Zur Auswertung der Intervention und der Einführungsprozesse werden auf Ebene des Pflege- und Betreuungspersonals und der Bewohnenden zu drei Zeitpunkten Daten gesammelt (vor der Einführung, nach drei und sechs Monaten). Ausserdem werden in Fokusgruppen mit dem Pflege- und Betreuungspersonal die Machbarkeit, Akzeptanz und Umsetzbarkeit der Intervention im Alltag diskutiert.

Erwarteter Nutzen / Relevanz
Im Rahmen des ProQuaS Projektes soll die Lebensqualität der Bewohnenden in Alters- und Pflegeinstitutionen der Senevita AG im Hinblick auf die Schmerzbehandlung langfristig gefördert werden.

Die ausführliche IST- Erhebung bietet eine umfassende Grundlage möglicher Ansatzpunkte zur Organisationsentwicklung in den Bereichen Schmerzbehandlung und vermeidbare Hospitalisierungen zu bestimmen und potentielle Interventionen für den spezifischen Kontext anzupassen.