GERAS

Projektname
Exploring frailty and mild cognitive impairment in adult kidney transplant recipients to enhance risk prediction for biomedical, psychosocial, and health costs outcomes.
Erforschung von Gebrechlichkeit und milden kognitiven Beeinträchtigungen in erwachsenen Nierentransplantationspatienten um klinische, psychosoziale, und wirtschaftliche Auswirkungen zu untersuchen. 

Subprojekt
Gait speed as single fried frailty phenotype item predictive for length of stay but not readmission in kidney transplantation. A secondary data analysis of a multicenter, prospective cohort study (Oliver Mauthner)

Projektleitung
Oliver Mauthner

INS-Projektteam
Nadine Beerli
Sabina De Geest
Oliver Mauthner

Externe Projektpartner
Universitäre Altersmedizin FELIX PLATTER, Basel
Universitätsspital Basel
Inselspital Bern
Kantonsspital St. Gallen
Centre hospitalier universitaire vaudois, Lausanne
Hôpitaux Universitaires de Genève
Johns Hopkins University, USA
Pittsburgh University, USA

Ort der Datenerhebung
Basel, Bern, St. Gallen, Lausanne, Genève

Laufzeit
2016 bis 2024

Projektbeschreibung
Hintergrund
Die GERAS Studie ist wegweisend, da ältere Patient*innen einen beträchtlichen Anteil der Transplantationskandidaten bilden und Frailty (Gebrechlichkeit) sowie kognitive Beeinträchtigung Prädiktoren für Transplantationsergebnisse sein können. Es ist deshalb wichtig diese beiden Aspekte zusammen im Gebiet der Organtransplantation zu erforschen. Dem klinischen Fachpersonal fehlt es oft an Evidenz, um in diesem Bereich eine Risikovorhersage für ältere Patient*innen, unabhängig vom chronologischen Lebensalter, erstellen zu können. Gebrechlichkeit und kognitive Beeinträchtigung könnten solche Prädiktoren für Transplantationsergebnisse sein und könnten deshalb Hilfreich bei der Organallokation, der Prädiktion von unerwünschten Gesundheitsergebnissen und bei der klinischen Betreuung von Patient*innen sein. Weil die Gebrechlichkeit dynamischen Bedingungen unterliegt, und sich mit der Zeit ändern kann, bietet sich in Zukunft das Gebiet der Interventionsforschung zur möglichen Etablierung von individuellen prä- oder postoperativen Programmen zur Optimierung von Transplantationsergebnissen an.

Zielsetzung
Primäre Ziele:
1) Die Erfassung der Prävalenz von Frailty (nicht frail, pre-frail, frail) und leichter kognitiver Beeinträchtigung bei erwachsenen Nierentransplantationskandidat*innen zum Zeitpunkt der Transplantation.
2) Die Erfassung der Entwicklung und Zusammenhänge von Frailty und kognitiver Funktion im Zeitraum von direkt vor der Transplantation bis 2 Jahre nach der Transplantation.
3) Die Untersuchung ob Frailty (nicht frail, pre-frail, frail) und milde kognitive Beeinträchtigung vor der Transplantation ein Prädiktor für klinische, psychosoziale und gesundheitsökonomische Ergebnisse bis 2 Jahre nach der Transplantation sind.

Sekundäre Ziele:
1) Beschreibung ausgewählter Entzündungszeichen im Blut in Zusammenhang mit Frailty (nicht frail, pre-frail, frail) vom Zeitpunkt vor der Transplantation bis 2 Jahre nach der Transplantation.
2) Untersuchung der ausgewählten Entzündungszeichen vom Zeitpunkt vor der Transplantation, um Änderungen der Frailty (nicht frail, pre-frail, frail) zu erkunden. Weiter wird die Entwicklung der Entzündungszeichen vom Zeitpunkt der Transplantation bis 2 Jahre nach der Transplantation beschrieben.

Design/Methode 
GERAS ist eine multizentrische Kohorten Studie, die in fünf Schweizer Transplantationszentren durchgeführt wird und in die Schweizerische Transplantationskohortenstudie (STCS) eingebettet ist. Es handelt sich um eine Kohorten Studie mit wiederholten Messungen: Kurz vor der Nierentransplantation sowie 6, 12 und 24 Monate nach der Transplantation. Um an der GERAS Studie teilnehmen zu können, mussten Nierentransplantationsempfänger an der Schweizerischen Transplantationskohortenstudie mitmachen, 20 Jahre oder älter sein, deutsch, französisch, italienisch oder englisch verstehen und sprechen können und eine Einwilligungserklärung zur Studienteilnahme unterschreiben. Die Datenerhebung findet primär durch die Erhebung von Gebrechlichkeit, kognitiver Funktionsfähigkeit, dem psychologischen Wohlbefinden und sozialer Umstände und einer venösen Blutentnahme statt. Dazu wird das Patient*innendossier sowie Daten, welche bereits routinemässig in der STCS erhoben werden und andere Datenbanken beigezogen. Frailty wird durch das Fried Frailty Instrument zu allen vier Zeitpunkten gemessen. Dieses beinhaltet 5 Faktoren:
- 2 kürze körperliche Tests: körperliche Schwäche (Handgriffstärke) & langsame Gehweise (Gehgeschwindigkeit)- 3 kurze Fragen: subjektive Erschöpfung, geringe körperliche Aktivität und unbeabsichtigter Gewichtsverlust. Die Auswertung beinhaltet eine Punktezahl von 0 bis 5 Punkten, wobei 0 Punkte dem Status «Nicht Frail», 1-2 Punkte «Pre-Frail» und 3-5 Punkte «Frail» entsprechen.                   
Die kognitive Funktion wird durch das Montreal Cognitive Assessment (MoCa) und ebenfalls zu allen vier Zeitpunkten erhoben. Es besteht aus 8 Bereichen, welche die Kategorien visiospatiale und exekutive Funktionen, Benennen, Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache, Abstraktion, Erinnerung und Orientierung beinhalten. Die höchste Gesamtpunktzahl beträgt 30 Punkte und eine leichte kognitive Beeinträchtigung ist bei weniger als 26 Punkten vorhanden. Zur Bestimmung der Entzündungszeichen im Blut wird vor der Transplantation sowie 12 und 24 Monate danach eine venöse Blutentnahme durchgeführt. Die Entzündungsfaktoren Interleukin-6 (IL-6), C-reactive protein (CRP), Tumour necrosis factor α (TNF-α) und Albumin werden gemessen. Der psychosoziale Fragebogen der STCS erhebt Psychologisches Wohlbefinden und soziale Umstände. Ebenfalls werden Begleiterkrankungen zum Zeitpunkt der Transplantation evaluiert. GERAS wurde im Januar 2016 von der Ethikkommission Nordwest- und Zentralschweiz genehmigt.

Erwarteter Nutzen / Relevanz
Die Resultate der GERAS Studie werden Evidenz für das klinische Fachpersonal im Bereich der Risikoprädiktion im Gebiet der Nierentransplantation liefern. Dies kann klinische Entscheidungen im Bereich der Organallokation, der Entwicklung von Leitlinien, der Ressourcenzuteilung, der Frühinterventionen und der klinischen Betreuung von älteren Patient*innen, und potenziell auch jüngeren Erwachsenen, anleiten.